Mit 21 Jahren sieht Herwig die Eskalation im Kosovo noch im Fernsehen. Am nächsten Morgen wird seine Einheit alarmiert. Kurz darauf packt er seine Ausrüstung, erhält scharfe Munition und füllt ein Testament aus.
Im Einsatz bewacht Herwig eine serbische Enklave, patrouilliert bei Tag und Nacht und erlebt, wie Minen durch starken Regen bis in die unmittelbare Umgebung seiner Unterkunft geschwemmt werden. Doch die größten Herausforderungen sind nicht nur die sichtbaren Gefahren. Schlafmangel, Ungewissheit und dauernde Anspannung verändern auch den Umgang innerhalb der eigenen Gruppe.
Herwig erzählt offen von einer Ausbildungssituation, in der er sich provozieren ließ und durch eine unüberlegte Einzelaktion seine Kameraden gefährdete. Eine Erfahrung, die ihn bis heute prägt: Unter Druck zählen nicht Ego und Härte, sondern Selbstkontrolle, Vertrauen und die Fähigkeit, Verantwortung für das gesamte Team zu übernehmen.
Später wechselt Herwig zur Polizei und wird Einsatztrainer. Heute bereitet er Polizisten darauf vor, in Sekunden Entscheidungen zu treffen, die anschließend über Monate von Sachverständigen, Gerichten und Öffentlichkeit beurteilt werden.
Ein Gespräch über den Kosovo, Kameradschaft, Stress, Fehler in der Ausbildung und die Frage, wie Menschen lernen können, auch in Extremsituationen handlungsfähig zu bleiben.